Wearable Couture – Helene Galwas im TM-Interview
Helene Galwas

20.12.2020 | Slow Fashion mit hohen Anspruch an Komfort und Ästhetik, zeitlosen Design und Handwerk. Die Modebrand Helene Galwas setzt auf werteorientierte Arbeit, die mehr als eine Saison ihre Gültigkeit bewahrt. ‚Wearable Couture‘ umschreiben die Designerin Helene Galwas und Katja Popp, die für den operativen Aufbau der Marke zuständig ist, die Entwürfe ihres Labels. Im TM-Interview geben uns beide exklusive Einblicke in die Welt von Helene Galwas und verraten darüber hinaus, welche weiteren Aspekte ihre Arbeit und die Marke maßgebend beeinflussen.

Sie umschreiben Ihre Entwürfe mit dem Begriff ‚Wearable Couture‘. Was darf man sich darunter vorstellen?  

Mit Wearable Couture möchten wir zum Ausdruck bringen, welche Eigenschaften bei Helene‘s Entwürfen einfach sehr wichtig sind. Couture da wir raffinierte Schnittführung aus der Couture Mode mit Tragbarkeit für jede Frau zu jeder Zeit vereinen.

Helene Galwas ergänzt: Ich habe schon immer schöne und anspruchsvolle Designs sowie hochwertige Stoffe geliebt und trotzdem habe ich wie jede Frau, Mutter und Unternehmerin einen vollgestopften Tag und sprinte von einem Termin zum nächsten. Aus diesem Grund muss meine Mode einfach tragbar sein, aber dabei meinen Anspruch an Schönheit, Eleganz, Hochwertigkeit und natürlich Nachhaltigkeit genügen. Ich möchte, dass meine Mode von der Mutter zur Tochter weitervererbt werden kann – im Idealfall sogar von der Großmutter!

Ihre Marke existiert erst seit 2018. Welche persönlichen Erfolgserlebnisse können Sie seither für sich selbst benennen und gleichzeitig mit welchen Herausforderungen wurden Sie als junge Brand konfrontiert? Wie sind Sie diese angegangen? 

Wir haben natürlich zwei absolute Ausnahmejahre als Start-up Fashion Brand aufgrund der Covid19-Pandemie durchleben müssen. Eine große Herausforderung war die interne Organisation mit dem Team, aber vor allem auch der Vertrieb. Der ganze Einzelhandel fiel praktisch weg. Dass wir stark auf online und digitaler Kundenkommunikation von Anfang an gesetzt haben, hat uns sehr geholfen. Trotzdem können wir voller Stolz sagen, dass wir trotz aller Schwierigkeiten wirklich tolle Erfolgserlebnisse hatten – wir wurden mit dem ‚New Faces Award‘ als Young Fashion Designer 2020 der Bunte ausgezeichnet und das bereits mit der zweiten Kollektion! Eine große Ehre! Aber auch die vielen Veröffentlichungen in der Vogue, Elle, Harper’s Bazaar, L'Officiel und vielen, vielen, vielen weiteren Magazinen waren ein sehr großer Motivationsschub und sind für die Sichtbarkeit des Labels sehr wichtig. 

Sie setzen auf zwei Kapselkollektionen im Jahr. Gehen Sie hier nach dem Motto ‚Weniger ist mehr vor‘ oder welche Absicht steckt dahinter? 

Wir setzten bewusst auf zwei Kapselkollektionen im Jahr, da wir ein großer Verfechter von Slow Fashion sind. Wir glauben nicht daran, dass man bis zu zehn Kollektionen im Jahr braucht, unser kleines Team könnte dies auch gar nicht stemmen und der/die Kund:in braucht es auch nicht. Daher landet auch so viel Kleidung auf dem Müll. Das ist respektlos gegenüber der Arbeitszeit der Beteiligten an der gesamten Wertschöpfungskette, vom Baumwollbauern, zur Näherin aber auch gegenüber dem Design und Vertrieb. Weniger ist nicht nur mehr, sondern auch besser. So haben wir ausreichend Zeit, unsere Stoffe zu entwickeln, gemeinsam mit unseren Lieferant:innen, die Schnitte können in Ruhe verbessert werden, die Verarbeitung genau geprüft und die Kollektionsteile perfektioniert werden. Jede Kapsel trägt ein Thema, allerdings sind sie untereinander kombinierbar, bauen aufeinander auf und wir etablieren gerade unsere nachhaltige Basic-R Linie auf, die als NOS Programm aus nachhaltigen wiederverwerteten Stoffen aus unserer Produktion gefertigt werden.

Wie definieren Sie Qualität und Transparenz?

Qualität hat für uns mehrere Aspekte: Design und Schnittführung, damit fängt alles an, aber auch Verarbeitungsqualität beim Nähen, und auch Stoffqualitäten sind ebenso wichtige Bestandteile. Und zu guter Letzt die Lebensqualität, für unser Team in der Arbeit, unsere Lieferant:innen und deren Umwelt, und unsere Kund:innen, in dem sie sich in unserer Kleidung wohlfühlen und gut beraten fühlen. Der Punkt Transparenz ist für uns eine Selbstverständlichkeit, unsere Türen sind offen, unsere Atelier wird täglich besucht von Kund:innen, sowie unser Showroom, der direkt angrenzt an unsere Flagship-Boutique. Wir produzieren mit nur einem einzigen Produzenten in Polen, das ist jedem bekannt. Wir sind so transparent wie unser Top Seller Netzkleid Alena.

helenegalwas.com

Bild oben: Katja Popp & Helene Galwas und Style aus der F/S 2022-Kollektion

Bild unten: Flagship-Boutique in Seefeld / Style aus der F/S 2022-Kollektion

20.12.2021