Omnichannel-Händler und stationäre Einzelhändler, die ihr Angebot um einen digitalen Vertriebskanal erweitert haben, haben spezifische Bedürfnisse und stellen entsprechende Anforderungen an ihre Lieferanten; umgekehrt liegen auch den Herstellern bestimmte Aspekte besonders am Herzen, wenn es um die Darstellung und Vermarktung ihrer Produkte im Netz geht. Händler, Hersteller und ein Dienstleister sagen, welche Ziele sie sich gesetzt haben, worauf es in der digitalen Kooperation ankommt und was sie voneinander erwarten, um erfolgreich im Netz arbeiten zu können. 

„Die Entwicklung des Online-Geschäfts ist rasant, unsere Kunden verkaufen online extrem viel“, sagt Ralf Schellenberger, Inhaber von Raffaello Rossi, „es gibt im Online-Abverkauf unserer Produkte teilweise Steigerungsraten von bis zu 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr – und wir sprechen hier nicht von einer niedrigen Basis.“ Dass die Hose ein Produkt ist, das online so erfolgreich ist, hätte der erfahrene Hosenspezialist, der ohnehin davon überzeugt ist, dass „Regalverlängerung zur Norm“ wird, „ehrlich gesagt nicht erwartet“.

Wer sein Unternehmen auf digitale Füße stellt, lernt seine Branche noch einmal von einer neuen Seite kennen – und das gilt nicht nur für die Industrie, sondern in besonderem Maße auch für den Handel. Denn der Handel ist hier der Treiber – während einige Hersteller auch heute noch nicht so weit sind, dass sie in Sachen Digitalisierung mit bestimmten Händlern Schritt halten können. Doch innerhalb der letzten Monate hat sich einiges getan. „Als ich vor fünf Jahren das Gespräch zum Thema Digitalität mit der Industrie suchte, sah man keine Notwendigkeit, beispielsweise Artikel- und Bestandsdaten zur Verfügung zu stellen“, sagt Holger Wellner vom Modehaus Wellner in Hameln, „doch seit rund einem Jahr ist das Thema bei vielen auf der Agenda, mittlerweile ist eine große Offenheit und Bereitschaft da.“ Dass die Industrie gefordert ist, ihren Beitrag zu leisten, um die Rahmenbedingungen für das Online-Geschäft des Handels zu verbessern, sieht auch Ralf Schellenberger so: „Wir müssen dem Händler umfassende Produktinformationen und damit verkaufsstarke Argumente liefern!“

Wie gewinnbringend es sein kann, wenn das Online-Geschäft – auch durch die gute Zusammenarbeit mit der Industrie – rund läuft, erfährt Simone Schödlbauer von Mode Schödlbauer in Bad Kötzting immer wieder durch ihren Online-Shop hemden-meister.de: „Der Name unseres Shops ist mittlerweile so etabliert, dass die Kunden in unser stationäres Geschäft kommen und ein „Hemden-Meister-Hemd“ verlangen“, lacht sie. „Dann erklären wir ihnen, dass das keine Hemdenmarke, sondern unser Online-Shop ist. Wir sind mit unserem Online-Shop zur Marke geworden.“

 

 

Annette Gilles / 9.9.2016 / Foto: Online-Shop Hemden Meister Schödlbauer