Interviews: People Business in Düsseldorf
TM Interview: People Business in Düsseldorf

04.12.2020 | Physische Messen bleiben in der Modebranche die treibende Kraft. Es war ein harter Kampf, aber auch ein Ansporn für die Orderplattformen, die Messeveranstaltungen durchzuführen. Für das nächste Jahr sind die Supreme Group und die Gallery Fashion & Shoes zuversichtlich: Messen werden bleiben, denn die Menschen brauchen die persönliche Begegnung. Die Termine für 2021 stehen: Unter der Dachmarke Düsseldorf Fashion Days werden die Orderaktivitäten der beiden Messen und Showrooms vom 27. Januar bis zum 3. Februar 2021 in Düsseldorf gebündelt. TM TextilMItteilungen fragt bei Aline Müller-Schade, Managing Director, The Supreme Group sowie Ulrike Kähler, Managing Director Gallery Fashion & Shoes nach.

Aline Müller-Schade, Managing Director, The Supreme Group  

Sie haben in Düsseldorf und München physische Messen veranstaltet. Ein mutiger Entschluss. Macht es Sie stolz?

In der Tat sind wir sehr stolz, im Sommer die Orderplattformen durchgeführt und Begegnungen möglich gemacht zu haben. Das war ein großes Stück Arbeit, aber die Einzelhändler haben es uns gedankt. Sei es persönlich vor Ort, im Anschluss oder durch unsere Umfrage, die wir nach den Veranstaltungen versendet haben. Wir haben vor allem auch gezeigt, dass wir in Corona-Zeiten ‚sicher‘ Veranstaltungen in Düsseldorf und München durchführen können. Wir haben gekämpft und kämpfen weiter, denn die Einzelhändler wollen den persönlichen Kontakt und vor allem auch wichtige Erstinformationen zu den Kollektionen.

Welche positiven Erfahrungen und Lehren ziehen Sie aus der Krise?

Die emotionale Komponente in diesen Zeiten spielt eine wichtige Rolle. Empathie und gegenseitige Unterstützung. Das zieht sich durch alle Ebenen. Digitalisierung ist sicher ein großes Thema, aber eben nicht in allen Bereichen.

Wie ist Ihre Prognose für 2021? 

Wir haben keine Glaskugel, die uns sicher den Weg weist. Dennoch sind wir zuversichtlich, dass wir auch im Frühjahr 2021 unsere Orderplattformen unter den existierenden Auflagen durchführen dürfen. Wir bedienen mit unseren Veranstaltungen Nischen für die DACH-Region und sind nicht auf internationales Publikum angewiesen. Ein großer Anteil unserer Aussteller sind Agenturen, die bei uns ausstellen. Auch das ist ein weiterer Vorteil.

Welche Neuheiten planen Sie?

Wir nutzen die Zeit nicht, um neue Konzepte auf den Markt zu bringen, sondern unsere bestehenden zu stärken. Planungssicherheit und Verlässlichkeit stehen bei uns ganz oben auf der Skala. Orderplattformen müssen sich nicht permanent neu erfinden. Dennoch sind wir immer mit dem Ohr am Markt und antizipieren, wenn es uns sinnvoll erscheint.

Wurden parallel zur Messe digitale Konzepte entwickelt?

Wir haben uns intern mit vielen Themen der digitalen Weiterentwicklung befasst, um Prozesse zu vereinfachen und um das Arbeiten unserer Aussteller und Besucher zu erleichtern. Parallel zur Messe haben und werden wir keine digitalen Konzepte entwickeln. Die Digitalisierung kann keine physische Messe ersetzen. Unsere Zielgruppe, die fernab von Systemanbietern oder industriellen Marken agiert und auch keine Großformen des Handels darstellen, benötigt die Begegnung und den Austausch über die Kollektionen. ‚It is a personal business‘ – das bewahrheitet sich immer mehr.

 

Ulrike Kähler, Managing Director Gallery Fashion & Shoes

Ein turbulentes Jahr neigt sich dem Ende zu. Wie fühlen Sie sich?

Eigentlich fühlen wir uns ähnlich wie beim ersten Lockdown im März. Der Knopf ist wieder auf null gesetzt worden. Wir laufen hier im Team bereits auf Hochtouren. Unser Konzept hat uns viel positives Echo und Vertrauen gebracht und wir bekommen sehr viel Rückhalt von den Ämtern. Genauso vorbildlich und perfekt wollen wir auch die Gallery Fashion Ende Januar 2021 wieder hinbekommen. Wir schreiten weiter mutig nach vorne.

Die Gallery Fashion und Shoes war im Corona-Jahr die einzige physische Messe in Deutschland. Ein mutiger Entschluss. Macht es Sie stolz?

Es macht mich und auch das ganze Team sehr stolz, dass wir die Messe hinbekommen haben. Für uns war das alles Anspannung hoch drei und wir mussten alle Hebel in Gang setzen. Wir mussten für die Verordnungen der Ämter mehrere hundert Seiten Anträge ausfüllen. Die Vorbereitungen waren für uns hart, denn auch wir mussten mit Lockdown, Kurzarbeit und Homeoffice kämpfen. Der intensive Kontakt zu den Ausstellern hat zu einer extremen Kundenbindung geführt. Für uns sind die Messen in diesen unsicheren Zeiten auch ein großes kaufmännisches Risiko und wir müssen auf unsere Budgets achten. Aber ich halte es für wichtig, am Markt zu sein und zu zeigen, wir sind da. Mit unserem Marketing möchten wir die Menschen erreichen, die auch kommen können. Momentan hat das nationale Erlebnis einen höheren Stellenwert als ein internationaler Event. Wir müssen uns für den Markt vor Ort aufstellen. Deshalb halten wir seit Jahrzehnten am Modestandort Düsseldorf fest.

Welche positiven Erfahrungen und Lehren ziehen Sie aus der Krise?

Wir haben die Chance genutzt, unser Messekonzept ‚Fashion & Shoes‘ und ‚Shoes & Fashion‘ neu aufzustellen. Wir haben gespürt, dass zum Beispiel Accessoires-Aussteller glücklich waren, dass sie im Umfeld der Schuhhersteller neue Händlerkontakte gemacht haben. Und umgekehrt haben viele Schuhhändler die Accessoires für ihr Sortiment entdeckt. Der Kreis war insgesamt kleiner, dafür war das Miteinander viel intensiver und persönlicher. Jeder hat mal zugehört, was die anderen sagen.

Wie ist Ihre Prognose für 2021?

Es wird sicherlich eine harte Saison – für uns, die Aussteller und den Handel. Ich spüre aber, dass der kleine mittlere Handel sehr viel Stärke zeigt und die Großen oft schwerer zu kämpfen hatten. Viele kleinere Stores sind mutig, öffnen sich und nehmen neue Sortimente auf. Das ist gut für uns. Generell wird es für alle Einschnitte geben und der Gigantismus im Messewesen wird zurückgehen. Wir freuen uns als Gallery Fashion & Shoes, wenn wir stabil bleiben. Man wird in diesen Zeiten bescheidener. Es geht immer eine neue Tür auf.

Kann die Digitalisierung eine physische Messe ersetzen?

Ich bin davon überzeugt, dass physische Messen in dieser Branche das wichtigste Element sind. Wir befassen uns auch mit digitalen Konzepten, aber in erster Linie sind wir ein Messeveranstalter. In der Messelandschaft hat sich alles gedreht. Noch höher, schneller und globaler, das war einmal. Messen werden bleiben, denn die Menschen brauchen die persönliche Begegnung, egal in welcher Branche. Aber die Leitmessen müssen sich neue Gedanken machen und sich auf Nischen besinnen, wo sie gebraucht werden. Wir müssen viel mehr in den Markt hineinhören, dann können schöne neue Portale entstehen. Als Igedo Company sind wir früh aufgewacht. Wir haben die Zeiten der großen Messen mit der Igedo und CPD erlebt. Seit einigen Saisons gehen wir mit kleinen Schritten die Treppe wieder hinauf.

Bild (v.l.n.r.): Aline Müller-Schade und Ulrike Kähler

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04.12.2020