Modehäuser fordern Wandel der Branche
Modehäuser fordern Wandel der Branche

15.05.2020 | Die Covid-19 Pandemie hat weltweit neben den gesundheitlichen auch für große ökonomische Probleme erwirkt. Die hiesige Modeindustrie- und -Handelslandschaft im Angesicht der wirtschaftlichen Folgen seit Wochen um ein Umdenken in den bisherigen Produktionsstrukturen und in den Saisons. Viele stellen bereits ihre Kollektionen und Kollektionsrhythmen krisenbedingt um. In dieser Woche hat nun eine Gruppe von internationalen Modemarken und Einzelhändlern unter der Leitung des belgischen Designers Dries Van Noten einen offenen Brief an die Modeindustrie veröffentlicht, der auf die aktuellen Missstände aufmerksam machen und zu einer Änderung aufrufen soll.

Konkret werden die Themen Saisonrhythmen und nachhaltigeres Arbeiten angesprochen. Die Kollektionen sollen bedarfsgerechter terminiert verkauft werden. So fordert man dazu auf, dass die Herbst-/Wintersaison von August bis Januar andauert, die Frühjahr-/Sommerkollektionen von Februar bis Juli angeboten werden. «Wir sind uns einig, dass die gegenwärtige Situation zwar schwierig ist, aber auch eine Chance für einen grundlegenden und willkommenen Wandel bietet, der unser Business vereinfachen, es ökologisch und sozial nachhaltiger machen wird und es letztlich stärker auf die Bedürfnisse der Kunden ausrichtet», heißt es in dem offenen Brief. Des Weiteren sollen die Lieferungen so terminiert sein, dass sie innerhalb der jeweiligen Saison regelmäßig neue Impulse und somit Kaufanreize zu schaffen. Auch die Rabattschlachten mitten in der Verkaufssaison werden angeprangert. So schlägt man vor, die Reduzierungen jeweils am Ende der Saison – für die Herbst-/Winterkollektion im Januar und für die Frühling-/Sommerkollektion jeweils im Juli – zu gestalten.

Zum Thema Nachhaltigkeit sprechen sich die Unterzeichner des offenen Briefes, darunter bekannte Namen wie Dries van Noten, Erdem, KaDeWe, La Rinascente Jil Sander und Tory Burch, für mehr ökologische Verantwortung aus. So fordert man die Reduktion von überproduzierten Kleidermengen ein. Es folgen die Erwartung an die Industrie, weniger Abfälle in ihren Herstellungsprozessen zu generieren. Nachhaltigkeit bedeutet für die Gruppe der Unterzeichner außerdem, weniger zu reisen und mehr auf digitale Lösungen zurückzugreifen, um Kollektionen zu präsentieren. Der Brief schließt mit dem Appell: „Gemeinsam hoffen wir, dass diese Schritte es unserer Industrie ermöglichen werden, mehr Verantwortung für unseren Einfluss auf unsere Kunden, auf den Planeten und auf die Mode-Community zu übernehmen und die Magie und Kreativität zurückzubringen, die Mode zu einem so wichtigen Teil unserer Welt gemacht haben.“

Bild: Dries van Noten/ ©Imaxtree

https://forumletter.org/

15.05.2020