BDSE: Umsatzverlust in Milliardenhöhe im Schuhfachhandel
BDSE: Umsatzverlust in Milliardenhöhe im Schuhfachhandel

01.09.2020 | Im Rahmen der Gallery Fashion & Shoes fand am 31.08.2020 die Pressekonferenz der Bundesverband des Deutschen Schuheinzelhandels (BDSE) statt, in der vor allem die vergangenen Umsatzentwicklungen während der Pandemie beleuchtet wurden. Nach Angaben des Verbandes fuhr der Schuhfachhandel in den üblicherweise besonders umsatz- und ertragsstarken Monaten März und April, in denen die Geschäfte wegen des allgemein angeordneten Shutdowns schließen mussten, ein Umsatzminus von 55 beziehungsweise 70 Prozent ein. In den ersten sieben Monaten dieses Jahres hat der stationäre Schuhfachhandel im Vergleich zum Vorjahreszeitraum 1,2 Milliarden Euro Umsatz verloren. Die Mai- und Juni-Umsätze blieben zwischen 15 und 20 Prozent unter Vorjahr. Aufgelaufen im ersten Halbjahr betrug das Minus rund 30 Prozent (2,5 statt 3,6 Milliarden Euro).

Die Krise traf die Unternehmen dennoch unterschiedlich. Je nach Standort, Sortiment und Kundenzielgruppe performten sie in den letzten Wochen und Monaten teilweise gut oder sehr schlecht. Einige Geschäfte haben mittlerweile fast ihre Vorkrisen-Umsätze wieder erreicht, andere hingegen müssen nach wie vor erhebliche zweistellige Verluste hinnehmen.

Besonders schwer taten sich nach Angaben des BDES die großen Verkaufsflächen in den teuren Frequenzlagen. Kleine Verkaufseinheiten in den nicht ganz so großen Städten schlugen sich hingegen deutlich besser als jene in den großen Shopping-Metropolen, wo es an einer engen Kundenbindung fehlte, die üblichen internationalen Touristenbesucher ausblieben und es am gewohnten Einkaufsflair mit attraktiver Gastronomie, Kunst und Kultur mangelte.

Insbesondere hervorgehoben wird die durch die Krise vorangetriebene Digitalisierung der Händler. Auch hier werden die Teilnehmer aus kleinen und mittelständischen Betrieben betont genannt, die während des Shutdowns auf neue digitale Kommunikationswege gesetzt haben, um den Kontakt mit Kunden aufrechtzuerhalten. Das Einkaufsklima leide durch die anhaltenden Maßnahmen wie die Maskenpflicht oder der Angst, sich mit dem Virus anzustecken. Bedarfskäufe werden im Schuhhandel aktuell getätigt, bei Lust- und Impulskäufen halten sich aber die Kunden noch eher zurück. Stark nachgefragt waren nach der Wiedereröffnung Kinderschuhe, auch Sportschuhe und Sneaker liefen schnell wieder an. Anlass- und Business-Schuhe, Pumps und Slings erwiesen sich hingegen als Ladenhüter.

Die Verkäufe im Juli verliefen vor dem Hintergrund der schwierigen Rahmenbedingungen im Großen und Ganzen verhalten positiv. Die Unternehmen des stationären Schuheinzelhandels lagen beim Umsatz nach ersten Erhebungen im Durchschnitt rund 10 Prozent unter dem Vorjahreswert, wobei nach wie vor große Unterschiede in der Umsatzentwicklung zwischen den Unternehmen festzustellen sind. Während viele umsatzstarke Schuhhändler, insbesondere in den größeren Städten und Metropolen, noch immer deutlich zweistellig unter dem Vorjahresmonat blieben, liegt eine Reihe von kleineren Schuhfachgeschäften mittlerweile ‚nur noch‘ im einstelligen Minus-Bereich oder hat vereinzelt sogar den Vorjahresumsatz wieder erreicht. Man hoffe als Branche, dass es wieder langsam bergauf geht, rechnet aber realistisch damit, dass die anstehende Herbst-/Wintersaison eine Herausforderung sein wird, da vielerorts die Kundenfrequenz fehlt.

Der BDSE prognostiziert, dass eine Erholung des Schuheinzelhandels – sofern es zu keiner zweiten Corona-Welle mit wieder verschärften behördlichen Auflagen kommt – sich weiter fortsetzen wird. Das bis zu diesem Zeitpunkt aufgelaufene Umsatzminus werde sich im Laufe des zweiten Halbjahres allerdings nur teilweise abbauen lassen. Für den stationären Schuheinzelhandel rechnet der BDSE daher im Gesamtjahr 2020 mit einem Umsatzminus von 20 bis 25 Prozent.

Bei der Order für die Saison F/S 2021 geht der Schuhfachhandel noch mit Bedacht vor. Aufgrund der Unwägbarkeiten im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie und angesichts höherer Restbestände, insbesondere an Übergangsware, werden Order sorgsam getätigt. Die nicht verkaufte Ware wird in die nächste Saison genommen, Einkaufsbudgets werden entsprechend angepasst. Viele Schuhhäuser versuchen, ihre Vororderquote zu senken, um mehr Spielraum für Nachkäufe zu behalten.

www.bdse.org

01.09.2020