Die Neonyt Fashionsustain Recap
Neonyt Fashionsustain

12.07.2021 | Vom 6. bis zum 8. Juli 2021 beleuchtete die Neonyt-Konferenz ‚Fashionsustain‘ den Status quo der Textil- und Modebranche, identifizierte Innovationstreiber und definierte Handlungsspielräume für den Retail-Sektor. Mehr als 20 Stunden Impuls-Insights, Panel Diskussionen und Fashion Deep Dives wurden, laut Angaben der Veranstalter:innen, live aus dem FFW Studio gestreamt. Mit dabei waren unter anderem der Grüne Kopf, Oeko-Tex, PwC und die Transformers Foundation. 

Vor allem beschleunige sich die digitale Transformation in der gesamten Textil- und Modebranche in einem noch nie da gewesenen Tempo mit dem Ergebnis, dass ein neues ganzheitliches Denken erforderlich werde – sowohl bei Produktionsstandards, als auch wenn es um die Inklusion unterschiedlichster Zielgruppen gehe. Mode spiegle schließlich auch politische und gesellschaftliche Themen wider. „Auch wenn wir sie nach drei Saisons sicherlich spüren, von digitaler Müdigkeit war während der Fashionsustain keine Spur“, so Thimo Schwenzfeier, Show Director der Neonyt. „Digitalisierung prägt eine nachhaltige Zukunft und damit auch die internationale Fashion- Szene, sie eröffnet der Textil- und Modeindustrie völlig neue Synergien und erweitert den Scope – das haben die Expert:innen auf der Fashionsustain bewiesen.“

Day 1: Covid-19 und die Modebranche

Das Framework für die Neonyt Fashionsustain wurde direkt am ersten Konferenztag mit einer Diskussion über die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf die Textil- und Modeproduktion gesetzt. In vielerlei Hinsicht habe die Krise nämlich als Katalysator für Klima- und Nachhaltigkeitsmaßnahmen von Unternehmen gewirkt: Sie fungiere teilweise als Trockenübung, um zu sehen, wie sie eine wachsende Bandbreite von ökologischen, sozialen und Governance-Herausforderungen angehen könnten, erklären die Veranstalter:innen. Grüne Finanzierung und Impact Investments seien dabei wirkungsvolle Werkzeuge. Ebenso unterstütze das als Ergebnis der Pandemie kürzlich beschlossene deutsche Lieferketten- oder Sorgfaltspflichtengesetz mehr Transparenz entlang der textilen Wertschöpfungskette. Siegel und Zertifizierung spielen dabei eine große Rolle, wie zum Beispiel das staatliche Textilsiegel Grüner Knopf zeige. 

Day 2: Big Data

Mit dem Hauptthema Digitalisierung und Big Data ging es dann am zweiten Konferenztag weiter. Big Data könne zum Beispiel helfen, Konsument:innen oder Brands besser zu verstehen und die Customer Journey zu optimieren. „Wir sind bestrebt noch agiler zu arbeiten, unsere Prozesse zu standardisieren und zu automatisieren“, sagt Patric Spethmann, COO bei Marc O’Polo. „Um unsere Energie auf wertschöpfende Aktivitäten zu konzentrieren, und eine Technologielandschaft aufzubauen, die unsere strategische Vision für die absehbare Zukunft unterstützt.“ So eine Technologielandschaft habe man am Anfang der Pandemie noch nicht gesehen; die Modeindustrie habe sich in einer Krise befunden und sei nicht vorbereitet gewesen auf ein vollständig immerses, digitales Zeitalter. Man sei sich einig: Die Modeindustrie werde über kurz oder lang hybrid – Digital Fashion sei die Zukunft, in der unbegrenzte Möglichkeiten liegen. Amazons ‚Making the Cut‘ Gewinnerin und Fashion Designerin Esther Perbandt führt weiter aus, wie die Digitalisierung zu Produktivitätsgewinnen führen kann. „Digital Fashion kann die Abfallmengen im Vergleich zu einem physischen Produkt um 99 Prozent reduzieren – kann Billionen Mal getragen werden – hat kein Verfallsdatum. Diese Technologie kann in nahezu jedem Schritt der Produktentwicklung, der Vermarktung und dem Recycling eingesetzt werden.“

Day 3: State of Retail 

Um alles rund um den ‚State of Retail‘ drehte es am dritten und letzten Konferenztag. Denn: Nicht nur auf technologischer Ebene, sondern auch auf Retail-Ebene habe die Modeindustrie einen Wandel durchlaufen, der in der Pandemie noch einmal spürbar Fahrt aufgenommen hat. Die Frage sei nicht mehr ob physisch oder digital, sondern ein Mix, ‚phygital‘ sozusagen sei die beste Lösung. Dennoch habe der analoge Handel seine Stärken, um gegenüber den Verbrauchern zu punkten. Den Vorteil des stationären Handels sieht zum Beispiel Oliver Feske, CEO von P4Marketing, weiterhin vor allem in Bezug auf Nachhaltigkeitskommunikation: „Es geht weniger um Erlebnis-Shopping, sondern mehr um Informations-Shopping.“ Axel Augustin, Sprecher und Mitglied der Geschäftsleitung bei BTE Handelsverband Textil, stimmte dem zu. Nur mittels persönlicher Interaktion und Beratung im Store können seiner Meinung nach Kund:innen eine wirklich informierte Kaufentscheidung treffen. 

Eine Alternative zum Status quo der Modeindustrie sei Zirkularität: Pre-owned, Renting, Leasing, Re-sell – diese zirkulären Businessmodelle böten alternative Möglichkeiten für Konsument:innen, ihrer Garderobe einen neuen Mix zu verpassen und gleichzeitig Mode nachhaltiger zu gestalten. „Konventionelle Mode ist schnelllebig, nachhaltige Mode ist langlebig“, sagt Jasmin Huber, Founder von WeDress Collective. 

From Frankfurt to the World 

Für die Neonyt Fashionsustain im Rahmen der Frankfurt Fashion Week hatten sich im Vorfeld laut Angaben des Veranstalters Besucher:innen aus mehr als 60 Ländern weltweit registriert. Diese hohe internationale Reichweite brachte neben internationalen Modeinstituten wie dem British Fashion Council, der Camera Nazionale della Moda Italia und der Swarovski Foundation auch zahlreiche Brands wie Adidas, Louis Vuitton und Jil Sander unter den angemeldeten Besucher:innen zusammen. Die Handelsseite war daneben von großen Playern wie dem KaDeWe, Zalando, Otto und Avocadostore vertreten. Letztlich ergänzten auf Seiten der NGOs, Siegelgeber und Politik unter anderem das Auswärtige Amt, Oeko-Tex, Fairtrade und WWF das Besucher-Line-Up. 

neonyt.com

12.07.2021