HDE verurteilt Corona-Politik

23.03.2021 I Der Handelsverband Deutschland (HDE) reagiert mit wenig Verständnis auf die im gestrigen Corona-Gipfel beschlossenen, faktisch verlängerten Lockdown für den Einzelhandel. Nach Meinung des HDE, hat die Corona-Politik nur die Inzidenzen im Fokus und handele dementsprechend. Des Weiteren wird die Beurteilung von Experten wenig beachtet, die besagt, dass die Ansteckungsgefahren im Einzelhandel niedrig sind. Befeuert wird der Unmut durch eine aktuelle HDE-Umfrage vom vergangenen Wochenende, bei der sich nach fast 100 Tagen Lockdown 54 Prozent der befragten Bekleidungshändler in Insolvenzgefahr sehen.

Geschäfte unter strikten Hygiene-Konzepten öffnen

„Bund und Länder agieren nur noch im Tunnelmodus. Die alleinige Fixierung auf die Corona-Inzidenzwerte wird der komplexen Lage nicht gerecht. Die Maßnahmen müssen sich an den wissenschaftlichen Fakten orientieren und die zeigen, dass die Infektionsgefahr beim Einkaufen niedrig ist“, so HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. Entsprechende Schlussfolgerungen sind daher nach dem Verband von Nöten, so auch, dass alle Geschäfte unter Einhaltung strenger Hygiene-Auflagen wieder geöffnet werden dürfen. Widersinnig sei die Schließung auch der Lebensmittelhändler am Gründonnerstag. Diese Entscheidung bewirke, dass am vorhergehendem Mittwoch sowie dem folgenden Samstag mit einem erhöhten Kundenandrang zu rechnen sei. „Den Lebensmittelhandel mit seinen nachweislich hervorragend funktionierenden Hygienekonzepten symbolisch für einen Tag zuzumachen, hilft im Kampf gegen die Pandemie nicht weiter“, beurteilt Genth.

Insolvenz ist spürbar

Die bereits erwähnte HDE-Umfrage unter knapp 1.000 Händlern zeigt, dass sich 54 Prozent der Bekleidungshändler und 58 Prozent der Händler mit Schuhen und Lederwaren in Insolvenzgefahr sehen. „Nach einem Jahr mit Corona ist die Lage bei vielen Händlern verzweifelt, vielerorts gibt es keine Hoffnung mehr, diese Krise wirtschaftlich überstehen zu können. Deshalb muss die Politik endlich eine realistische Perspektive geben“, fasst Stefan Genth die Lage zusammen. Die HDE-Umfrage zeigt, dass die Umsatzverluste in der vergangenen Woche im Vergleich zu 2019 weiterhin enorm sind. So machten die geschlossenen Geschäfte in den Innenstädten 63 Prozent weniger Umsatz als vor zwei Jahren. Die Läden, bei denen Einkauf mit Terminvereinbarung möglich war, verzeichneten ein Minus von knapp einem Drittel. Mit knapp einem Fünftel im Minus landeten die Geschäfte, die mit Begrenzung der Kundenzahl geöffnet hatten. „Die Politik muss zurückfinden zu angemessenen und ausgewogenen Maßnahmen unter Berücksichtigung der tatsächlichen Infektionsrisiken“, so Genth weiter. Dazu müsse auch der angekündigte Ausbau der Corona-Hilfen gehören. Wichtig sei, dass die Forderung des HDE nach zusätzlichen Hilfen für die weiter geschlossenen Einzelhandelsunternehmen gestern beschlossen wurde und jetzt zügig umgesetzt werde. Die derzeitige Überbrückungshilfe finde nach wie vor zu selten und zu langsam den Weg zu den notleidenden Unternehmen.

Chaos bei Öffnungen

Die aktuellen Beschlüsse sorgen nicht nur für Unmut, sondern sorgen auch vielerorts für Verwirrung. Gestern hatte das Oberverwaltungsgericht NRW die Beschränkungen für den lokalen Einzelhandel aufgehoben, weil sie mit dem Gleichbehandlungsgrundsatz nicht vereinbar sind. So durften nach dem Beschluss des OVG alle Läden ohne Kundenbegrenzung pro Quadratmeter sowie ohne Terminbuchung öffnen. Einige Stunden später reagierte das Land NRW mit einer angepassten Corona-Schutzverordnung, die strengere Maßnahmen mit sich zog. Nach diesen dürfen nun auch Schreibwarengeschäfte, Buchhandlungen und Gartenmärkte in Nordrhein-Westfalen nur noch mit Terminvereinbarung, dem so genannten ‚Click & Meet‘ öffnen und maximal einen Kunden pro 40 Quadratmeter Verkaufsfläche ins Geschäft Zutritt gewähren. Vor diesem Beschluss konnten Blumenläden und Gartenmärkte seit 8. März eine Kundenzahl von einer Person pro 10 Quadratmeter Verkaufsfläche beziehungsweise auf größeren Flächen einen Kunden pro 20 Quadratmeter gewähren.

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23.03.2021