Die neue Green Knowledge Ausgabe 02/23 ist da!

15.12.2023 | „Ist Nachhaltigkeit ein Privileg?" ist die Frage, die wir auf dem Cover dieser Winterausgabe von GREEN KNOWLEDGE stellen. Denn angesichts der anhaltenden Wirtschaftskrise gerät das während der Pandemie in Schwung gekommene ökologisch und sozial verträgliche Konsumverhalten allmählich wieder in den Hintergrund. Eine GfK-Umfrage vom Oktober 2023 zeigt, dass wir den niedrigsten Stand des Nachhaltigkeitsindexes seit seinem Start im Februar 2022 haben. Noch vor vier Jahren gaben 31 Prozent der Befragten an, dass sie es sich nicht leisten können, nachhaltig zu sein, aber jetzt sind es 48 Prozent. Angesichts all der Ambitionen, Akteure, Innovationen, Debatten, Bildungsinitiativen und Einkaufsalternativen, ist das ziemlich deprimierend. Gleichzeitig macht es aber auch klar: Gute Produkte müssen für alle erschwinglich sein und nicht nur denjenigen vorbehalten sein, die über ein monatliches Nettoeinkommen von über 4.000 Euro verfügen. Wir müssen Wirtschaft neu denken, um diese Gleichheit zu erreichen. Der Gesetzgeber muss Zielvorgaben für die Nachhaltigkeit von Produktionsprozessen erstellen, sodass sie global gelten und nicht nur innerhalb der EU.

Unternehmen müssen weniger und besser produzieren - in der bestmöglichen Welt nur noch nach Bedarf und ohne Abfall. Unter den Aspekten Ästhetik und Qualität müssen die Produkte so gestaltet sein, dass sie langlebig sind und so konzipiert sein, dass sie am Ende ihrer Kreisläufe zurückgeführt werden können. Das bedeutet, dass Nachhaltigkeit in erster Linie mit dem Design beginnt.

Fakt ist: Nachhaltigkeit beginnt, wenn wir anfangen, uns aktiv zu informieren und unser Konsumverhalten zu reflektieren. Wenn wir fragen, warum wir kaufen, was wir kaufen und ob wir es wirklich brauchen. Eine neue, flächendeckende Wertschätzung für Textilien - und für denjenigen, die sie herstellen und veredeln, ist angesagt. Eine Denkweise, die im Zeitalter der Fast Fashion und im Zuge der Digitalisierung so gut wie verloren gegangen ist. In letzter Instanz müssen wir daher die Ideale und Prinzipien, die schon unsere Großeltern vertraten, wiederherstellen.

Traditionellen Werten ein zeitgemäßes Gesicht geben, auch das ist ein Thema in dieser Ausgabe. Wir stellen Marken vor, die sich für modernes Design aus Abfall einsetzen (S. 46-51), außerdem Designer, deren Konzepte auf alten Traditionen beruhen (S. 44- 45), und zeigen darüber hinaus, dass es sich wirklich lohnt, Kleidungsstücke, Schuhe oder Accessoires reparieren zu lassen, statt sie durch neue zu ersetzen (S. 8-10). Und wir unterstreichen auch die aktuelle Bedeutung von Produktqualität am Beispiel des toskanischen Wollproduzenten Manteco (S. 20-22) und der Wiener Hutmanufaktur Mühlbauer (S. 52-53).

Um zu zeigen, wie unglaublich komplex und undurchsichtig globale Lieferketten geworden sind, begleiten wir ein Paar Dawn Denim Jeans auf ihrem Weg vom Rohmaterial zum fertigen Produkt (S. 62-65). Außerdem stellt Maximillian Mauracher, Mitbegründer von NEW STANDARD.S, der Berliner Agentur für Nachhaltigkeitsstrategien und -kommunikation, einen Einblick in das Konzept der ‚degrowth‘. Ein Gedankenexperiment, das uns zwingt, die Industrie aus dem Blickwinkel der tatsächlichen Bedürfnisse und nicht der durch die Werbung künstlich erzeugten Nachfrage zu betrachten. Und damit aufhören, die Rentabilität vor Ethik zu stellen (S. 66-67).

Wenn wir das bestehende System nachhaltig verbessern wollen, ist eine radikale Umgestaltung und damit ein grundlegendes Umdenken bei allen Produzenten und Verbrauchern ein Muss. Das erfordert auch eine echte und engagierte Debatte, die sich auch auf Themen, bei denen wir alle gerne die Augen verschließen. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine angenehme, interessante, und spannende Lektüre!

Ihre
Silke Bücker,
Head of Content

 

15.12.2023