Fashion Council Germany veröffentlicht ‚German Fashion Footprint‘
Fashion Council Germany veröffentlicht ‚German Fashion Footprint‘

05.04.2022 | Das Fashion Council Germany hat eine Studie zum ‚German Fashion Footprint‘ veröffentlicht, in der die globalen Auswirkungen der deutschen Modeindustrie untersucht wurden. Die von Oxford Economics durchgeführte Studie liefert die erste umfassende Betrachtung der Umweltauswirkungen der deutschen Modebranche. Umweltschäden entstehen in erster Linie in produzierenden Ländern wie beispielsweise China, Bangladesch, Vietnam oder auch in der Türkei, wie der Greenpeace-Report ‚Detox Modemärchen‘ im November 2021bereits veröffentlichte. 84 Prozent der Umweltbelastungen durch die Textilindustrie finden außerhalb Europas statt. Das Fashion Council Germany hat in seinem Bericht explizit die deutsche Modeindustrie unter die Lupe genommen, denn Deutschland ist einer der größten Modemärkte weltweit und beheimatet einige globale Player wie Adidas, Puma und Hugo Boss. Scott Lipinski, Geschäftsführer Fashion Council Germany (FCG), auf die Frage wie sich die Umweltbilanz der deutschen Modeindustrie zusammenfassen lässt: „Wie wir bereits in unserer 2021 veröffentlichten Studie zum Status deutscher Mode bewiesen haben, ist Deutschland einer der weltweit größten Konsumentenmärkte für Mode. Eine der Haupterkenntnisse der nun vorliegenden Studie zum German Fashion Footprint ist die Bilanz der Treibhausgase, die die deutsche Modeindustrie im In- und Ausland verursacht. Hier konnten wir feststellen, dass von über 38 Millionen Tonnen CO2 nur zwei Millionen in Deutschland freigesetzt wurden. Das lässt schlussfolgern, dass der Großteil der Emissionen im Ausland produziert und freigesetzt werden. Demnach tragen deutsche Modeunternehmen, die im Ausland produzieren, eine enorme Verantwortung für die Umweltbilanz insgesamt.“

Fashion Council Germany fokussiert fünf Hauptfaktoren

38 Millionen Tonen CO2 entsprechen übrigens den durchschnittlichen jährlichen Emissionen von 1,9 Millionen deutschen Haushalten. Ein paar weitere Zahlen: Der größte Teil von 83 Prozent des Stromverbrauchs wurde laut Studie durch fossile Brennstoffe gedeckt. Geschätzt entfiel außerdem ein Wasserverbrauch von insgesamt 6,5 Milliarden Kubikmetern auf die Branche. Und rund 95 Prozent der Emissionen werden im Ausland freisetzt. 
Fünf Hauptfaktoren liegen dem ‚German Fashion Footprint‘ zugrunde: Treibhausgasemissionen, Energieverbrauch, Luftverschmutzung, Wasserverbrauch und landwirtschaftlicher Flächenbedarf. Finanziert wurde die Abhandlung von der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Die Daten, auf denen der Bericht basiert, stammen aus 2019, also Prä-Corona. 

Veränderung ist ein Muss

Wir haben Scott Lipinski gefragt, was sich dringend ändern muss: „Der deutschen Modeindustrie und der Bundesregierung ist bewusst, dass die Branche nachhaltiger werden muss. Sie haben bereits erste Schritte in diese Richtung unternommen oder bieten entsprechende Unterstützung. Dazu zählen Zusicherungen der größten Modemarken, ihre Lieferketten bis 2050 klimaneutral zu gestalten. Es ist jedoch keine Frage einer freiwilligen Teilnahme an dieser Bewegung. Es ist ein Muss. Uns erwarten in Zukunft neue politische Vorgaben. Je eher man sich hier verändert, desto einfacher wird ein Umstieg sein. Parallel dazu muss die Wertigkeit von Mode wieder in den Vordergrund rücken. Hier kann jede:r Konsument:in bereits einen Beitrag leisten, indem jede:r die individuellen Kaufentscheidungen hinterfragt.“

Fakten, die zählen

Deutsche Konsument:innen haben 2019 für Bekleidung und Schuhe 76 Milliarden Euro ausgegeben und es ist durchaus wünschenswert, dass Kaufentscheidungen hinterfragt werden. Aber das Fashion Business trägt die Verantwortung für Art und Weise der Herstellung. Die Studie ‚German Fashion Footprint‘ erfasst die Umweltauswirkungen in Zahlen und Fakten und kann richtungsweisend für die Textil- und Modeindustrie sein. Insbesondere weil die gesamte Wertschöpfungskette berücksichtigt wird. Denn das globale Problem des Klimawandels kennt keine territorialen Grenzen.

Der Report ‚German Fashion Footprint‘ zum Download unter fashion-council-germany.org.

05.04.2022