Die Ruhe vor dem Sturm - TM 04/22 ist da!
Die Ruhe vor dem Sturm - Ausgabe TM 04/22 ist da!

19.05.2022 | Keine Frage, wir leben in schwierigen, um nicht zu sagen unvorstellbaren Zeiten – im wahrsten Sinne des Wortes. Und ich würde lügen, wenn ich leugnen würde, dass sich langsam eine Form der Ratlosigkeit breitmacht, wenn es um die Frage geht, inwiefern die Industrie, der Handel, jede:r sich darauf einstellen soll.

Während im benachbarten Osten Krieg herrscht, wird im Westen bisweilen glamourös gefeiert. So zuletzt in New York, wo die prestigeträchtige Met Gala Anfang Mai ihr offizielles Comeback nach der Pandemie gab und unter dem Motto ‚Gilded Glamour‘ wieder zu Glanz und Gloria einlud. Das weckte in mir den Eindruck, dass wir uns in einer Zwischendimension bewegen. Zwischen Zerstörung und Wohlstand. Zwischen bewusster Zurückhaltung und Business as usual.

Doch selbst wenn wir für uns beschließen, Letzteres zu betreiben, scheinen die besten Lösungsvorschläge bereits erschöpft. Neue Ideen zu finden, nach zwei dermaßen herausfordernden Jahren, gleicht einem Kraftakt. Und doch müssen wir uns weiterentwickeln, um voranzukommen.

Kehren wir noch einmal zur Met Gala zurück: Hintergrund des diesjährigen Ballthemas war das sogenannte Gilded Age, das vergoldete Zeitalter zwischen den 1870er Jahren und der Wende zum 20. Jahrhundert, das in den USA als Blütezeit und als Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs und technologischen Fortschritts gilt. Technologischen Fortschritt – den gab es auch innerhalb der Modebranche in den letzten zwei Jahren zur Genüge. Golden war diese Zeit zwar wahrlich nicht, und doch: Zoom-Meetings, digitale Tradeshows, Virtual Showrooms und das Metaverse könnten nicht nur als Übergang dienen, sondern den Aufschwung, der durch Corona zeitweise ausgeblieben ist und der immer noch sehnsüchtig erwartet wird, weiter vorantreiben.

Und es gibt weitere Silberstreifen am Horizont, die auch auf gute Momente hoffen lassen. Wie die Rückkehr der Messen, ob nun in Düsseldorf, Berlin, Frankfurt oder Florenz. Endlich kann man sich wieder miteinander austauschen – von Angesicht zu Angesicht. Um Partnerschaften zu gründen, zu erneuern oder zu festigen. Zum anderen wurden in der Krise neue Ideen aus der Taufe gehoben, aber auch neue Marken. Die Mode kommt wieder aus ihrer Komfortzone heraus und traut sich etwas, vor allem in der Menswear.

Trotzdem bleibt natürlich die Herausforderung, sowohl die Endverbraucher:innen als auch die B2B-Partner:innen mitzuziehen und gemeinsam an eine bessere Zukunft zu glauben. Wir weichen Ihnen, liebe Leser:innen, auch in dieser Zeit nicht von der Seite und freuen uns, Ihnen bald wieder persönlich zu begegnen!

Cheryll Mühlen

Chefredakteurin der TM TextilMItteilungen

Coverbild: Lina Zangers

 

19.05.2022