Der wahre Fokus - Die neue TM 05/22 ist da!
Der wahre Fokus - Die neue TM 05/22 ist da!

23.06.2022 | „So weit, so gut“, sagte LVMH-CEO Bernard Arnault im April, als er seine Einschätzung für das Jahr 2022 abgab, und traf damit ins Schwarze. Denn der Handel und die Industrie schlagen sich derzeit durch, so gut es geht, und planen nicht allzu weit voraus. Am liebsten just-in-time, soweit es geht.

Die Wachstumsprognosen sind eher düster und die steigende Inflation sowie die immer höheren Kosten für Öl, Gas, Weizen und andere wichtige Rohstoffe lassen wenig Spielraum für Experimente. Besser: Den Fokus auf das Wesentliche lenken. Beispielsweise darauf, die Gewinnmarge mit Materialalternativen oben zu halten, maximale Effizienz mit minimalem Aufwand zu erzielen (Vorsicht, damit ist keine Ausbeute gemeint!) oder einfach mal das Positive statt das Negative auszuwerten. Aber in ungewissen Zeiten verfällt man leicht in ein ‚So weit, so gut‘. Man malt weder den Teufel an die Wand, noch macht man sich zu große Hoffnungen. Es passt zum Zeitgeist. 

Doch wie die Branche wirklich denkt und fühlt, werden der Season-Kick-off für Frühjahr/Sommer 2023 und die ersten Messen zeigen. Die neue Saison ist bereits die visuelle Verlautbarung einer Zeit nach Corona. Leuchtende Farben, verspielte Designs, Leichtigkeit und raffinierte Schnitte verweisen auf ein Leben, das sich wieder vor der Haustür und in der Gemeinschaft abspielt. Ob das die düsteren Wolken am Horizont erträglicher macht?

Ich will ehrlich zu Ihnen sein: Dieses Quartal gleicht eher einer Runde Russisches Roulette (die Doppeldeutigkeit ist beabsichtigt) als einer zumindest bedingt kalkulierbaren Pokerrunde. Nicht zuletzt herrscht immer noch Krieg in der Ukraine. Umso mehr sollten wir uns verpflichtet sehen, auf ein positives Endergebnis hinzuarbeiten, statt im Negativen zu verharren, und so möchte ich zu Beginn dieses Hefts die Gelegenheit nutzen, daran zu erinnern, wie privilegiert wir sind: Trotz aller sich auftuenden Widrigkeiten können Sie und ich weiter unserer Leidenschaft nachgehen. Wir als Fachgemeinschaft sollten unser Bewusstsein dafür schärfen, dass unsere ukrainischen Kolleg:innen derzeit oft keine beruflichen Perspektiven mehr haben.

Es gibt so viel, was noch getan werden kann und sollte. Doch das Schöne: Jedes Modeunternehmen und jede:r Branchenexpert:in kann etwas dazu beitragen, das über die Informationsverbreitung und das Spenden hinausgeht. Nutzen wir nicht nur unsere eigenen Chancen, sondern geben wir auch anderen mehr Möglichkeiten.

Cheryll Mühlen

Chefredakteurin der TM TextilMitteilungen

17.06.2022