BDSE: Probleme gezielter angehen
BDSE

16.04.2021 | Anlässlich der Gallery Shoes&Fashion-Veranstaltung, die vom 18. bis zum 20. April stattfindet, hat sich Brigitte Wischnewski, Präsidentin BDSE Handelsverband Schuhe, Köln zur aktuellen Lage des Schuheinzelhandels geäußert. Bedingt durch den bereits seit einigen Monaten währenden Lockdown, der von kurzen, regionalen Öffnungen unterbrochen wurde, hatten viele Geschäfte nicht die Möglichkeit in diesem Jahr zu öffnen. Jeden Monat, in dem der stationäre Schuhhandel geschlossen bleiben muss, gehen ihm rund 700 Millionen Euro Umsatz verloren. Bereits in der dritten Saison in Folge bleiben Unternehmen auf einen großen Teil ihrer eingekauften Ware sitzen und müssen hohe Umsatzverluste hinnehmen. Hinzu kommt die Problematiok, dass zahlreiche Schuhhäuser nicht von den staatlichen Hilfen profitieren können. Laut einer aktuellen Handelsbefragung des HDE gehen 58 Prozent der Schuhfachhändler davon aus, dass sie ohne weitere staatliche Hilfen ihr Geschäft noch in diesem Jahr aufgeben müssen.

Online-Handel baut Marktanteil aus

Bedingt durch die Pandemie ist im Schuhmarkt eine deutliche Verschiebung der Marktanteile der Absatzkanäle zu verzeichnen. Gewinner dieser Zeit ist der Onlinehandel, der im vergangenen Jahr seinen Marktanteil nach BDSE-Berechnungen von 26 Prozent auf 34 Prozent ausbauen konnte. Gewachsen sind nicht nur die Online Pure Player wie beispielsweise Zalando, sondern auch die Online-Umsätze der Multichannel-Schuhhändler mit stationären Wurzeln, die ihren digitalen Vertriebsweg in den vergangenen 12 Monaten mangels Alternativen zum Teil kräftig ausbauten. Viele kleine und mittelständischen Unternehmen nutzten die Shutdowns, ihre digitalen Kommunikationskanäle und Tools auszubauen, um Kunden zu erreichen, mit diesen zu kommunizieren und in kleinen Teilen Warenüberhänge abzubauen.

Schuhkäufe gehen zurück

Nach vorläufigen BDSE-Berechnungen schrumpfte das Marktvolumen bei Schuhen in 2020 um 13,5 Prozent auf 10,2 Milliarden Euro. Zwar konnte der Online- und Katalogversandhandel bei Schuhen um 15 Prozent zulegen, doch gingen in dieser Zeit dem stationären Schuhhandel rund 23 Prozent seiner Umsätze verloren. Neben den Schuhfachgeschäften mussten auch andere Vertriebsformen des Einzelhandels, die dem Lockdown unterlagen, bei ihren Schuhumsätzen zweistellige Einbußen verkraften, so beispielsweise die Schuhsortimente der Kauf- und Warenhäuser und jene der Bekleidungsgeschäfte.

Hoffnung auf Öffnungen

Mit den anstehenden Änderungen des Infektionsschutzgesetzes, das mit einer Verlängerung der Lockdownphase und verschärften regionalen Öffnungsszenarien verbunden sein wird, hofft der Schuhfachhandel auf die Nachbesserung der Corona-Hilfen. Der BDSE weist auf die wissenschaftlichen Studien des RKI, der TU Berlin und der Berufsgenossenschaft, die belegen, dass die Ansteckungsgefahr im Einzelhandel – insbesondere bei Beachtung der gängigen Abstands- und Hygienevorschriften – ausgesprochen gering ist. Vor diesem Hintergrund fordern alle Handelsverbände auch, dass bei der Novellierung des Infektionsschutzgesetzes und den weiteren Corona-Maßnahmen sich auf das Kernproblem zu konzentrieren. Gesetzgeber und Behörden sollten sich auf die wirklich wirksamen Lösungen zur Eindämmung der Pandemie fokussieren und nicht auf Wirtschaftsbereiche, die nach wissenschaftlichen Erkenntnissen kaum Effekte auf das Infektionsgeschehen haben. Zudem fordert der BDSE seit Monaten gemeinsam mit den Landesverbänden und dem HDE für eine Verbesserung der staatlichen Überbrückungshilfen ein. Viele kleine inhabergeführte Geschäfte, aber auch die großen Schuhfilialisten, erhalten überhaupt keine Überbrückungshilfen, um die aktuelle Krise zu überstehen. Und für die allermeisten jener Schuhgeschäfte, für die Hilfsgelder in den Fördermaßnahmen vorgesehen sind, reichen diese nicht aus, um die schließungsbedingten Verluste auch nur annähernd zu decken und die Unternehmen finanziell ausreichend zu entlasten.

bdse.org

Bild oben: Unsplash

Bild unten: HDE-Grafik

16.04.2021