Die Kraft der Kommunikation – Ein Interview mit Ulrike Schalkowski
Ulrike Schalkowski

24.03.2022 | Frauen müssen aufhören, gefallen zu wollen, sagt Ulrike Schalkowski, freiberufliche Interim Managerin, Business Consultant und Management Coach. Ein klares Statement, das ermutigen und inspirieren soll. Wir sprachen mit ihr über die richtigen Menschen in entscheidenden Schlüsselpositionen und warum es definitiv mehr Frauen sein sollten!

Viele Frauen sehen in sich selbst selten das Potenzial der Entscheiderin – und viele Unternehmen sehen es auch nicht.
Die Gender-Diskussion beschäftigt sich unter anderem mit der Frage, welche Möglichkeiten Frauen in Führungspositionen haben. Und aktuell ist da eine bis dato noch nie dagewesene Chance. Es ist sogar unabdingbar, Frauen in die Entscheidungs- und Führungsebenen zu bringen. Warum? Durch die Komplexität des Internets ist eine Gesellschaft entstanden, die ein lineares System unmöglich macht und deren Wertesystem sich gänzlich verändert hat. Empathie, sprich das Verständnis der Resonanzmuster der Gesellschaft und die Fähigkeit, daraus etwas abzuleiten, ist für Unternehmen unerlässlich geworden. Sicher, die faktische Analyse bleibt erhalten, aber Empfindungen, Emotionen, Motive, Gedanken, Persönlichkeitsmerkmale, all das zu erkennen, zu verstehen und letztlich auch nachzuempfinden und daraus wiederum Handlungsfelder abzuleiten, bedarf einer natürlichen, emotionalen Selbstwahrnehmung. Und die ist erwiesenermaßen bei Frauen deutlich stärker ausgeprägt – übrigens kann das auch neurophysiologisch bewiesen werden. 

Gerade in der Diskussion rund um Female Empowerment, in der auch unbequeme Themen auf den Tisch kommen, tendieren einige dazu, in eine Art Anklage zu verfallen. Das vernebelt das Ganze. Wo wünschst du dir diesbezüglich mehr Empathie?
Ich wünsche mir eine andere Grundhaltung. Und das ist nicht unbedingt genderbezogen, sondern zielt auf die Kommunikation. Sie auf ein wertschätzendes Niveau zu heben, ohne hierarchische Hebel nutzen zu müssen, das wäre ein Anfang. Ich wünsche mir aber auch, dass Frauen mehr Mut in ihrer Position haben und ihre Meinung darlegen, ohne Angst davor, den Job zu verlieren, oder davor, von einem Mann als Zicke abgestempelt zu werden, nur weil man eine klare Haltung und Meinung zu einem Thema äußert und diese auch offen vertritt. 

Oh ja, da ballen sicher viele Frauen die Faust in der Tasche. Dennoch halten sie sich oftmals lieber zurück.
Die Frage ist: Was steckt dahinter? Frauen wollen offensichtlich gefallen. Das können wir bitte echt mal sein lassen!

Wie lautet dann dein absolutes To-do in Sachen Kommunikation?
Ich kann empfehlen, sich mit dem Thema Stimme, Sprache und Auftritt zu beschäftigen, um eine selbstbewusste Haltung zu erlangen, sodass ich in einer Selbstverständlichkeit auf Augenhöhe bin.

Gab es einen Wendepunkt in deinem Leben, an dem du verstanden hast, was du tun musst, um dein volles Potenzial auszuschöpfen?
Einen Wendepunkt gab es nicht, nein. Aber ich habe häufig nach anderthalb Jahren den Job gewechselt. Ab meiner zweiten oder dritten geschäftsführenden Position hat sich eine gewisse Leichtigkeit eingestellt, weil ich die Bestätigung bekam, dass das, was ich mache, funktioniert. Ab diesem Moment fing es tatsächlich an, richtig Spaß zu machen.

 

Dieses Interview erschien in unserer TM 08/2021.
24.03.2022