Rekordhoch bei Inflation: Droht uns eine Weltwirtschaftskrise?
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04.07.2022 | Mit dem anhaltenden Ukraine-Krieg steigt auch die Inflation immer weiter. Jetzt erreicht die Inflationsrate einen neuen Höhepunkt. Deutsche Hersteller:innen gleichen die Preise für ihre Produkte an. Inzwischen sind sie um ca. ein Drittel erhöht worden. Und das, nachdem die Wirtschaft bereits erhebliche Schaden durch die Corona-Pandemie erleiden musste. Asim Qajani, Verwaltungsrat und CEO von Green Capital und Beteiligungen AG, stellt in diesem Gastbeitrag wichtige Fragen: Wird sich die Wirtschaft jemals wieder erholen können? Was sind die Auswirkungen der hohen Inflationsrate? Womit kann man in Zukunft rechnen? Noch höhere Preise oder wird die Rate wieder sinken? 

Was bedeutet die Inflation für die Menschen im Alltag?

Aufgrund der steigenden Preise in allerlei Bereichen schmelzen die Ersparnisse der Menschen dahin. Diejenigen, die jeden Tag mit dem Auto zur Arbeit fahren, haben aufgrund der hohen Benzinpreise am Ende des Monats weniger Geld übrig. Aufgenommene Kredite für Häuser oder Wohnungen können nicht mehr wie geplant zurückgezahlt werden. Die explodierenden Preise lassen die Kaufkraft der Menschen sinken. Dadurch haben Unternehmen weniger Einnahmen und drohen der Insolvenz. Für die Weltwirtschaft sind die explodierenden Preise eine Bedrohung. Natürlich gibt es momentan auch einige Länder, die mit Öl- und Gas-Exporten mehr verdienen und das zusätzliche Einkommen in Luxusgüter und Kriegsmaterial investieren. Doch die Anteile dieser Länder sind dennoch zu gering, um den Negativtrend stoppen zu können.

So äußert sich die Inflation

In einer marktwirtschaftlichen Ordnung können sich Preise jederzeit ändern. Manche Güter werden teurer, andere wiederum günstiger. Wenn nicht nur einzelne Produktpreise ansteigen, sondern die Preise für Waren und Dienstleistungen im Allgemeinen, spricht man von Inflation. Inflation und Preisentwicklung können aber vom Staat gelenkt werden, wenn die Gesellschaft z.B. beim Kauf von Energie großzügiger wird. Das beste Beispiel dafür ist Deutschland. Deutschland kaufte Öl und Gas bisher zu 80 bis 90 Prozent aus Russland. Mit Beginn des Ukraine-Russland-Krieges wurde diese Abhängigkeit zum Verhängnis. Da die Rohstoffe jetzt anderswo aufgetrieben werden müssen, erhöhen sich die Preise für die Konsumenten drastisch. 

Die Auswirkungen

Mit der Aufhebung der Insolvenzantragspflicht Anfang 2021 wurde in Deutschland eine Kettenreaktion ausgelöst. Damals erteilte Corona-Hilfen werden aktuell zurückgefordert. Dadurch kann sich die Wirtschaft auch nach den erlittenen Corona-Schäden nicht erholen. Lieferketten sind unterbrochen, Rohstoffpreise kippen und viele Menschen sind gezwungen, ihre Läden zu schließen. Ebenso sind Lebensmittel- und Spritpreise, die fortgehend in die Höhe schießen, eine Belastung für Familien. Die Gastronomen bekommen die Preiserhöhungen ihrer Lieferanten zu spüren und müssen dadurch ihre Preise anheben. Auch darunter leidet die Gesellschaft und die Konsumbereitschaft sinkt.

Die Auswirkungen des aktuellen Krieges und der Corona-Pandemie spiegeln sich jetzt in der Wirtschaft wider. Die nächsten Wochen werden ausschlaggebend sein und zeigen, wie hoch der Preisanstieg ist. Bei steigenden Preisen besteht die Gefahr, dass die Produktion zum Stillstand kommt. Durch eine sinkende Produktion droht sich eine Wirtschaftskrise mit hohen Inflationsraten an. Daraus kann sich schnell eine Stagflation entwickeln. Das bedeutet, dass sich neben der Inflation eine hohe Arbeitslosigkeit bildet. Momentan wird einzig und allein über Krieg und Pandemie gesprochen. Es geht um Aufrüstung. Dabei sollte es genauso darum gehen, den Markt und die Wirtschaft wieder zu festigen. 

Fazit: Die Inflation kommt nicht von ungefähr. Daher sollte sich aktuell nicht allein um die Kriegsbekämpfung gekümmert werden, sondern auch um die Regeneration der Wirtschaft. Sollten die Preise weiter sinken, droht der Welt eine Wirtschaftskrise mit Stagnation. Es wird dann eine lange Zeit dauern, bis sich die Wirtschaft wieder vollends erholen wird. 

Autor: Asim Qajani (Foto unten) ist Verwaltungsrat und CEO von Green Capital und Beteiligungen AG und hat besondere Expertise im Bereich Finanzen und Investments. Seine Firma investiert in Klein- und Großunternehmen und legt besonderen Wert auf Nachhaltigkeit.
greencapital-b.ch
04.07.2022