3 Fragen an Georg Picard, Geschäftsführer Picard
3 Fragen an Georg Picard, Geschäftsführer Picard

10.03.2021 | Picard hat gerade erst das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung abgeschlossen. Die Zahl der eigenen Shops wurde reduziert und das Unternehmen musste sich von 40 Mitarbeiter:innen trennen. Jetzt heißt es für den Lederwarenspezialisten positiv in die Zukunft zu schauen. Wir haben Georg Picard (Foto s.u.), Geschäftsführer im Unternehmen, Fragen zur Order und der Situation im Handel gestellt.

Welche Erkenntnisse konnten Sie aus der vergangenen Orderrunde mitnehmen?
Für Frühjahr/Sommer wurde überraschend gut geordert, Mode und saisonale Farben bei Basics, durchaus auch mutig. Allerdings wartet bei uns alles darauf, versendet zu werden, was aktuell nicht möglich ist. Deutlich war, dass die Handelspartner:innen Termine nur mit den Lieferanten fixiert haben, denen sie zugetraut haben, neue Kollektionen nicht nur gut zu entwickeln, sondern diese auch beschaffen zu können. Der Beschaffungsprozess scheint einigen anderen Lieferanten große Probleme zu bereiten. Dieses Thema spielt für uns so gut wie keine Rolle, da wir über unsere eigenen Fertigungswerke verfügen.

Was war und ist für die Handelspartner:innen besonders wichtig und wie unterstützen Sie diese?
Wir wissen aus eigener Erfahrung wie schwierig es ist, die stationären Geschäfte durch solch einen heftigen und nicht im Verhältnis stehenden Lockdown zu führen. Daher finden wir mit allen Handelspartner:innen individuelle Händler:innen-Lieferanten-Lösungen, um die Liquidität der Händler:innen zu sichern.

Wie gehen Sie mit Überware beziehungsweise nicht verkaufter Ware um?
Überware ist tatsächlich eine Herausforderung, der wir mit verschiedenen Maßnahmen begegnen. Bei Bedarf bieten wir unseren Handelspartner:innen gerne Pakete an. Vieles geht ins Ausland, wo wir nicht als Marke tätig sind. Zudem wird einiges über unsere eigenen Marken- und Partner-Discount-Outlets verkauft. Leider hat die Politik in Berlin nicht verstehen wollen, dass nicht nur der Handel ein Problem mit Überware hat, sondern und in den meisten Fällen noch viel mehr die Lieferantenseite.  Wir gehen davon aus, dass die Geschäftsführung unseres Verbands von Schuh- und Lederwarenherstellern jetzt deutlich massiveren Druck ausübt, damit die Verantwortlichen in Berlin die Industrie beim Thema Überware nicht übersehen können.

picard-lederwaren.de

10.03.2021