3 Fragen an Aleksandra Jagdfeld, Designerin Aleksandra Viktor
Aleksandra Viktor

23.08.2021 | Zeitgenössischer Stilanspruch, der mit traditionellen Elementen an den Ursprung der Mode Bezug nimmt: das Berliner Modelabel Aleksandra Viktor setzt diese Ambition in Perfektion um. Die von der Designerin Aleksandra Jagdfeld gegründete Marke setzt in seinen Kollektionen auf jahrhundertealte Rituale und handwerkliche Techniken, wie auch in ihrer aktuellen Auswahl. Im Fokus stehen neun handgewebte Mäntel, deren Ikat-Stoffe aus Usbekistan stammen. Jagdfeld setzt auf das kulturelle und handwerkliche Erbe der usbekischen Geschichte, das sie in ihren zeitlosen Modellen zum Leben erweckt. Wir haben Aleksandra Jagdfeld persönlich zu ihrer neuen Kollektion befragt.

Ihre aktuelle Kollektion umfasst neun Ikat Chapans, die in Usbekistan hergestellt werden. Können Sie uns die Besonderheit sowie Bedeutung der Kollektion darlegen?
Die Besonderheit der Kollektion liegt in den Stoffen und deren Webart. Die Tradition des Webens der Ikat Stoffe in Zentralasien geht auf das 15. Jahrhundert zurück. Vor allem in Usbekistan, was Teil der Seidenstraße war, war und ist diese Kultur stark ausgeprägt. Ikat ist eine besondere Webtechnik, bei der das Garn vor der Verarbeitung abschnittsweise eingefärbt wird. So entstehen wirklich einzigartige Muster. Ich habe hunderte alter Ikat Muster studiert, bestimmte Motive für die Kollektion ausgesucht und sie neu interpretiert. Jedes der neun Muster hat alte Elemente, aber neue Färbungen. Ich finde das Zusammenspiel zwischen Tradition und Moderne sehr spannend.

Im Rahmen Ihrer Arbeit – Welchen Stellenwert haben Tradition, Handarbeit und Rituale für Sie und wie interpretieren Sie diese?
Ich bin in Polen geboren und aufgewachsen. Religion und Tradition haben dort einen sehr hohen Stellenwert. Heute geben sie mir Halt und Orientierung im Leben, und in diesem Geiste erziehe ich auch meine Kinder. Es war mir sehr wichtig, dass mein Produkt einen starken Bezug zu Handarbeit und Tradition hat. Damit knüpfe ich an die Ursprünge der Mode an.

Mit Ihren zeitlos angelegten Kollektionsteilen leisten Sie einen wertvollen Beitrag gegen Fast Fashion. Wie sehen Sie das gesamte Modegefüge und was würden Sie grundsätzlich ändern wollen?

Viel. Ich habe mich bewusst entschieden, nur ein Produkt zu kreieren und nicht saisonal zu arbeiten. Ich finde das Tempo, das der Modewelt teilweise auferlegt wird, zu großer Stoff- und Umweltverschmutzung führt. Das macht mich sehr traurig. Durch Fast Fashion verliert die Mode ihren ursprünglichen Stellenwert. Man konsumiert zu viel und zu achtlos. Ein Aleksandraviktor Mantel steht dieser teils perversen Art von Konsum konträr gegenüber. Ein zeitloses Stück Mode, das zu jeder Jahreszeit und jedem Anlass getragen werden kann. Ein Stück, das dich das ganze Leben lang begleitet und Emotionen in dir weckt. Denn die Liebe und Hingabe, die in den Stoffen und der Herstellung liegen, spürt man sehr deutlich.

aleksandraviktor.com

Bilder: Aleksandra Viktor Ikat-Modelle, Bild links unten: Designerin Aleksandra Jagdfeld

23.08.2021