TM digital exclusive Industrie | 20.05.2014

TM Sustainability Fashion Summit: Näher hinschauen dringend erforderlich

Fotografie: Jean Pascal Zahn // Event Location Maritim Hotel Düsseldorf

Rainer Schlatmann (TM-Chefredakteur)

Mark Starmanns (BSD Consulting)

Dr. Gisela Burckhardt (Vorstandsvorsitzende Femnet e.V. und Mitglied der Kampagne für saubere Kleidung)

Jan A. Eggert (Hauptgeschäftsführer der Außenhandelsvereinigung des Deutschen Einzelhandels e.V.)

Diane Gerth (Head of Sales Remei AG)

Kristin Heckmann (Corporate Responsibility, Gruppenleiterin Sozialstandards und Nachhaltigkeitsmanagement, Hess Natur Textilien GmbH)

Frank Seidensticker (geschäftsführender Gesellschafter der Seidensticker Gruppe)

Matthias Hebele (Geschäftsführer Brainshirt)

Dr. Clemens Friemel (Mitglied der Geschäftsleitung der Anita Dr. Helbig GmbH)

Thomas Rasch (Geschäftsführer German Fashion Modeverband Deutschland e.V.)

Event-Location Maritim Hotel Düsseldorf

Wolfgang May (Mitglied des Managementteams Modint GmbH)

Panel Diskussion

Panel-Diskussion

Panel-Diskussion

Panel-Diskussion

Panel-Diskussion

Claudia Lanius mit Heiko Wunder

Edelgard Baumann

Thomas Rasch (Geschäftsführer German Fashion Modeverband Deutschland e.V.) und Michael Riek (TM)

Marc Sommer und Claudia Lanius

Mariska Przyklenk, Rainer Schlatmann und Kristin Heckmann

Mark Starmanns, Frank Seidensticker

Philipp Kronen mit Ina Köhler

Auf dem TM Sustainability Fashion Summit am Montag, den 19. Mai 2014, im Düsseldorfer Maritim-Hotel drehte sich alles um Aspekte der sozialen Nachhaltigkeit bei Produktions- und Beschaffungsprozessen von Textil und Bekleidung. Ein Thema von höchster Brisanz und Aktualität, zumal Bundesentwicklungsminister Dr. Gerd Müller unter Bezug auf die Fabrikunglücke in Bangladesch vor gut einem Jahr mit über 1000 Toten und doppelt so vielen Verletzten die Übernehme direkter unternehmerische Verantwortung dafür einforderte, wie und unter welchen Umständen ihre Ware überall auf der Welt gefertigt wird. Dies soll seiner Meinung nach durch ein einheitliches Textilsiegel dokumentiert werden. Falls dies nicht ausreicht, sollen gesetzliche Vorschriften erlassen werden.

Der Einladung von TM waren Experten aus den Bereichen der Faserproduktion, der Konfektion, dem Groß- und Einzelhandel auf Vorstands- und Führungsebene, Geschäftsführer und Repräsentanten maßgeblicher Verbände, NGOs sowie Vertreter der Fachbereiche von Hochschulen gefolgt. Von der ‚Baumwolle bis zum Bügel‘ war alles vertreten. In spannenden, zur Diskussion einladenden Vorträgen wurden die Probleme im Bereich der sozialen Nachhaltigkeit entlang der Wertschöpfungskette deutlich gemacht.

Management sozialer Verantwortung

Mark Starmanns forderte in seiner Key Note zum Thema die Notwendigkeit einer gezielten Steuerung sozialer Unternehmensverantwortung durch effiziente CSR-Strategien, die in allen Abteilungen eines Unternehmens, angefangen bei der Unternehmensleitung, gelebt und angewendet werden sollten.

Die Welt hinter Markennamen

Dr. Gisela Burckhardt, Verstandsvorsitzende von Femnet e.V. und Mitglied der Kampagne für Saubere Kleidung, lieferte ein ungeschminktes Bild der teilweise menschenunwürdigen Umstände, unter denen Arbeiterinnen und Arbeiter in Bangladesch und Asien Bekleidung fertigen. Sie machte dafür auch die Marken verantwortlich, die ihrer Mode in solchen Produktionsstätten fertigen lassen, und forderte mehr direkte finanzielle Unterstützung vor Ort zur Verbesserung von Arbeitssicherheit und Entlohnung. Gleichzeitig gehöre jede Form von Diskriminierung sowie die Einschränkung von Arbeitnehmerrechten abgeschafft.

Handel und Verantwortung für Lieferketten


Jan A. Eggert stellte als Hauptgeschäftsführer der Außenhandelsvereinigung des Deutschen Einzelhandels klar, dass der Handel verstärkt Verantwortung für die internationale Lieferkette übernimmt. Die von seiner Organisation international eingeführte Business Social Compliance Initiative sei mit ihren Audits sehr wohl in der Lage, Problemfelder aufzudecken und durch ein Angebot an Aus- und Weiterbildung zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen beizutragen. Dabei ginge es im Schwerpunkt darum, Ergebnisse von Audits zu kontrollieren und akute Probleme durch einen intensiven Dialog zu lösen, beziehungsweise Mängel zu beseitigen.
Eine wichtige Zielsetzung des Summits war es, Lösungsmodelle von unternehmerischer Verantwortung innerhalb der textilen Supply Chain aufzuzeigen.

Wer Mode trägt, trägt Verantwortung
Diane Gerth, Head of Sales der Schweizer Remei AG, erläuterte die Unternehmensphilosophie des von Patrick Hohmann gegründeten Unternehmens. Remei bietet dem Markt in der Funktion eines Produzenten und Dienstleisters für Bekleidungsmarken eine nachhaltige Fertigung vom Saatgut Baumwolle bis zum Handel. Sie widersprach damit der Meinung von Unternehmern, die eine direkte Kontrolle sozialer Nachhaltigkeit aufgrund der Komplexität in der Fertigung für unmöglich halten.

Gerechte Löhne und ein innovatives Managementsystem

Kristin Heckmann, Gruppenleiterin Sozialstandards und Nachhaltigkeitsmanagement innerhalb der Corporate Responsibility-Abteilung von Hess Natur, machte deutlich, dass die Forderung gerechter Löhne bei der Fertigung von Bekleidung durch ein innovatives Managementsystem durchaus erfüllbar sei. Alle Abteilungen eines Unternehmens müssten gleichberechtigt an Lösungsmethoden arbeiten, die die Steigerung der Produktivität in der Fertigung im Auge hätten und zu qualitativ hochwertigen Produktergebnissen führten.

Nachhaltige Hemdenproduktion in Asien

Frank Seidensticker, geschäftsführender Gesellschafter der Seidensticker Gruppe, erklärte, was die Übernahme sozialer Verantwortung für sein Unternehmen bedeutet. Die Gruppe hat sich schon lange aus der Rolle eine Traders verabschiedet. Stattdessen nimmt sie als Produzent direkten Einfluss auf die Art und Weise der Fertigung. Dabei hat der faire und sorgsame Umgang mit den Arbeiterinnen und Arbeitern in der Hemdenfertigung überall hohe Priorität. Die von Seidensticker kontrollierten Fertigungsstätten bieten Löhne und Sozialstandards, die über den jeweiligen Landesdurschnitten liegen.

100 Prozent transparent, ökofair in Europa

Matthias Hebeler, Geschäftsführer des Hemden-, Sports- und Businesswear-Spezialisten Brainshirt, veranschaulichte eindrucksvoll, wie man Bekleidung mit 100 Prozent Transparenz gemeinsam in starken, sich gegenseitig unterstützenden Netzwerken nachhaltig, ökofair und CO2-Ausstoss-minimiert in Europa produzieren und erfolgreich vermarkten kann. Er entwickelt Mode wie zum Beispiel Anzüge, die sogar die vegane Zielgruppe erreicht.

Open Factory, Miederproduktion sozialethisch und produktiv

Dr. Clemens Friemel, Mitglied der Geschäftsleitung der Anita Dr. Helbig GmbH, präsentierte das erfolgreiche Modell der Miederfertigung im Sinne einer Open Factory in Asien und Europa. Dabei wies er ganz besonders auf die vom Unternehmen in Myanmar/Burma errichtete und mit hoher sozialer Kompetenz gesteuerte Miederfertigung in Asien hin.

Soziale Verantwortung selbstverständlich?

Thomas Rasch, Hauptgeschäftsführer des GermanFashion Modeverbands, stellte heraus, dass die Ergebnisse der Bereitschaft zur Übernahme sozialer Verantwortung in der Beschaffung nicht allein von den Unternehmen der deutschen Bekleidungsindustrie, sondern sehr stark auch von den jeweiligen kulturellen und politischen Verhältnissen in den Produktionsländern abhängig sei. Es mangele auch an der Durchsetzbarkeit von in den jeweiligen Ländern erlassenen gesetzlichen Vorschriften. Auch Korruption behindere die Steuerung und Kontrolle von CSR-Prozessen.

CSR – Lösungsansätze aus den Niederlanden


Wolfgang May, Mitglied des Management-Teams der Modint GmbH, wies auf die veränderten Marktregeln durch höhere Anforderungen im Bereich von Corporate Social Responsibility hin und stellte mit der Fairwear Foundation ein international gefragtes Lösungsmodell, entwickelt in den Niederlanden, vor.

Fazit:

Alles in allem forderten die Teilnehmer mehr Transparenz über die Art und Weise der Bekleidungsproduktion über alle Produktionsstufen hinweg. Soziale unternehmerische Verantwortung bedeute, dass man sich eigenverantwortlich und laufend vor Ort über die Situation in den Produktionsstätten informieren müsse, um Missstände im permanenten Dialog mit den Produktionspartnern zu beseitigen. Im optimalen Zustand führe die Übernahme direkter unternehmerischer Verantwortung dazu, dass man auf gesetzliche Vorschriften und Siegel verzichten könne. Der offene Umgang mit dem Thema, die Bereitschaft, Prozesse transparent offenzulegen und diese auch dem Handel zu kommunizieren, ermutige zur weiteren Arbeit an der Umsetzung verbesserter Arbeitsbedingungen in einer globalisierten Modewelt.

An dieser Stelle bedanken wir uns nochmals bei unseren Sponsoren für die Unterstützung zum erfolgreichen Gelingen des TM Sustainability Fashion Summits.