TM 10 | August 2014

Apartment 72: Weniger ist mehr

Das Storedesign des Mode- und Concept-Stores Apartment 72 in Stuttgart tritt vollständig in den Hintergrund der Wahrnehmung und ist doch bis in jeden Winkel durchgestylt – es schafft eine behagliche Grundstimmung und unterstützt die hochwertige Aussage der Produkte.

Text: Konny Scholz // Fotos: Apartment 72

Eine sachliche und doch emotional warme Verkaufsumgebung

Die Räumlichkeiten wurden komplett entkernt, eingezogene Zwischenwände entfernt. Die Stützpfeiler, die dabei zum Vorschein kamen, blieben unverkleidet und wurden ins Konzept integriert. Freiraum „mit viel Luft“ sollte geschaffen werden. Freiraum, der auf ein konventionelles Ladenbausystem und jedes statische Raster verzichtet, um sich keinerlei Einengungen beugen zu müssen, so die Architektin Gisela Mühlhöfer, die intuitiv auf die räumlichen Gegebenheiten einging. „Weniger ist mehr“ lautete das Motto.

Der mit einer sandfarbenen Beschichtung versehene Estrichboden korrespondiert mit den ruhigen, hell-neutralen Wandflächen. Die Wand- und Funktionsoberflächen sind im gleichen hellen Farbton gehalten und gehen fließend ineinander über. Kein einziges Element wurde separat von einem Schreiner angefertigt – Wandelemente, Sockel und Podeste sind im Trockenbau angelegt. Das seitlich an eine Wand angesetzte Tresenelement wirkt, als wachse es aus der Wand heraus. Ein rundes Fenster in Fabrik-Optik sorgt für eine Spur Loft-Charakter.

Hochwertige Mode und schöne Einrichtungsgegenstände sind das Thema von Apartment 72

Ein weiterer Eyecatcher ist die Effektwand an der anderen Seite des Kassentresens. Diese Rückwand lebt durch die in ihr platzierten Produkte: feine, handgefertigte Glas- und Porzellanwaren sowie textile Legeware werden in den ausgeleuchteten Aussparungen der Wand wie Kunstwerke in Szene gesetzt.

Wie die Effektwand ist auch die tiefer im Laden liegende Feuerstelle so platziert, dass sie, von außen durch die Fensterfront sichtbar, Behaglichkeit ausstrahlt und Aufmerksamkeit weckt. Ziel dieser Positionierung attraktiver Blickfänge ist, die Hemmschwelle, den Laden zu betreten, möglichst herabzusetzen.

Um ein „Präsentierteller-Gefühl“ angesichts der sich über die gesamte Raumlänge erstreckenden Fensterfront zu vermeiden, lässt sich der Verkaufsraum mit vorhangartigen, flexiblen Schiebeelementen partiell und dekorationsabhängig vor Einblicken schützen.

Wohnzimmer-Ambiente, ohne plüschig zu wirken

Direkt hinter der Fensterfront ziehen sich über die gesamte Länge niedrige Podeste. Eine Präsentation darauf lässt die modische Ware hochwertig wirken, so die Architektin. Für die textile Hängeware sind Abhängungen vorgesehen, die aus einfachen Präsentationsstangen bestehen, die flexibel und individuell auf- und abbaubar sowie bei Nichtgebrauch platzsparend zu lagern sind. Diese Stangen sollen die Kunden an den Kleiderschrank zu Hause erinnern. Einzelne im Store platzierte Möbelstücke verstärken die wohnlichen Assoziationen. Wie die Glas-Accessoires sind sie käuflich zu erwerben, werden von der Inhaberin Nicole Schiedmayer jedoch nicht offensiv beworben.

Ebenfalls zurückhaltend und schlicht ist das Beleuchtungssystem aus weißen, filigranen Schienen mit beweglichen Richtstrahlern und Vorschaltgeräten, das vom Betrachter kaum wahrgenommen wird.

www.apartment72.de

Langgestreckte Schaufenster-Fassade