„Wir müssen alle an einem Strang ziehen!“

TM No. 06/Mai 2013

Die Wahlberlinerin Cecilia Palmer arbeitet derzeit als Web-Entwicklerin bei Newthinking Communications. Wenn sie nicht gerade die Welt des Internets als Programmiererin erkundet, sucht sie nach neuen Wegen, um das Nachhaltigkeitsprinzip in die Gesellschaft zu integrieren.

Text Chiara Kinscher // Foto Alexander Malecki

Die gebürtige Schwedin Cecilia Palmer arbeitet als Designerin und Programmiererin im Spannungsfeld von Mode, Web, Open-Source und Nachhaltigkeit. Im Jahr 2005 beschloss sie, gemeinsam mit ihren damaligen Kollegen und Freunden nach Berlin zu gehen. „Berlin hat eine bestimmte kreative Dynamik und einen Reichtum an Ideen und querdenkenden Menschen, was für meine Arbeit eine gute Basis bietet”, begründet Cecilia ihren Standortwechsel. Gemeinsam mit der Grafikerin Sophie Bayerlein gründete sie in Berlin ‚Fashion Reloaded’. Die Idee hinter dem Namen: das Prinzip des Kleidertauschs in die Öffentlichkeit zu tragen. Swapping nennt man das in Fachkreisen. „Bisher gab es so etwas in Deutschland nicht wirklich, was es gab, waren private Tauschaktionen unter Freundinnen. Für uns ging es darum, alternative Modelle für einen nachhaltigen Modekonsum zu finden.”
Aus der Idee entstanden ist eine Veranstaltungsreihe für Kleidertausch und Upcycling. Cecilia und Sophie organisieren nämlich nicht nur Tauschpartys, auf denen alte, gut erhaltene Stücke den Besitzer wechseln. Sie reisen auch mit ihrer mobilen Nähwerkstatt an und erklären den Besuchern, wie sie Kleider beliebig umnähen und restylen können. „Dies ist ein direkter Weg, sich mit dem eigenen Stil auseinanderzusetzen, gleichzeitig aber auch den eigenen Kleiderkonsum zu überdenken, während man auf praktische und positive Weise nach Alternativen sucht”, kommentiert Cecilia.

Nomadentum
Fashion Reloaded hat keine feste Location und findet auch nie zweimal an ein und demselben Ort statt. Denn Cecilia und Sophie möchten ihre Swapping- und DIY-Mode-Botschaft möglichst weit verbreiten. „Wir wollen eher einen Anstoß geben, als ein Netzwerk von Fans zu schaffen. Meistens treffen wir auf Menschen, die sich leidenschaftlich mit Mode und Stil auseinandersetzen, die sich aber ungerne zwischen schnelllebigen Trends im konventionellen Modezirkus wiederfinden.”
Durch Fashion Reloaded lernen die zwei Gründerinnen immer wieder neue Leute kennen, mit denen sie sich über Mode, Stil und Nähtechniken austauschen. Oft treffen sie auf Menschen, die noch nie etwas selbst genäht oder sich einem Kleidungsstück auch bloß mit der Schere genähert haben. „Wenn jemand realisiert, dass Kleider nicht unbedingt ein bereits fertiges Konsumprodukt sind, haben wir schon gewonnen. Das beweist uns, dass sich die Mühe gelohnt hat.”
Wenn sie sich nicht gerade um ihre Tausch- und Remake-Events kümmert, betreibt Cecilia Palmer ihr ökologisches Open-Source-Modelabel Pamoyo, welches genau wie Fashion Reloaded darauf abzielt, Upcycling- und Open-Source-Ansätze unter den Konsumenten und Produzenten zu fördern. Denn zurzeit wird mehr konsumiert als je zuvor, und das auch noch für so wenig Geld wie eben möglich. Gleichzeitig ist da der Trend zu Qualität statt Quantität. Allerdings kann sich der in Zeiten von Primark und Co. leider nicht gänzlich durchsetzen. Für Cecilia steht außer Frage, dass nachhaltige Konzepte die Zukunft sind. „Wir müssen alle an einem Strang ziehen. Ansonsten haben wir keine Chance, in ein paar Jahrzehnten ein annähernd gutes Leben weiterzuführen.”
Doch woran liegt es, dass Nachhaltigkeitsaspekte für viele Unternehmen immer noch eine eher untergeordnete Rolle spielen? Die Unternehmen produzieren das, was der Endverbraucher kaufen möchte. Solange Kunden Produkte zu Tiefstpreisen wünschen, geht dies auf Kosten anderer. „Wenn wirklich alle realen Kosten der Produktion mit eingerechnet würden, auf der Basis fairer Löhne und sozialverträglicher Arbeitsbedingungen, wäre Schluss mit der Billigproduktion”, konstatiert Cecilia. Schlussendlich müssen sowohl Unternehmen als auch Konsumenten umdenken, damit Nachhaltigkeit als gesamtgesellschaftliches Konzept eines Tages Selbstverständlichkeit wird. 

www.fashionreloaded.org