Größe zeigen
Wundercurves - Tiffany La (links) und Christiane Seitz

Plus-Size-Shopping mit Wohlfühlfaktor
Das Durchschnittsmaß deutscher Frauen liegt laut Statistischem Bundesamt bei Konfektionsgröße 44. Die Sortimente im Einzelhandel zeichnen aber ein anderes Bild. Plus-Size wird deshalb von vielen Kundinnen lieber online gekauft, beispielsweise bei Sheego, die Mode ab Konfektionsgröße 40 bis 58 anbieten. Die Styles von Sheego sind sowohl online aber auch im Handel auf Shop-in-Shop-Flächen und seit Sommer 2017 über eine App erhältlich. Beratung, einkaufen nach Figurtyp und eine ansprechende Präsentation an Plus-Size-Models wie beispielsweise Sarina Nowak verstehen sich für das Unternehmen von selbst. Sheego engagiert sich aber auch gegen Body Shaming mit Projekten wie dem ‚Kurvenstars Kalender‘, der sehr gut in der Plus-Size-Community rezipiert wird. Im Sommer 2017 nutzte Sheego seine Unternehmenspower, um auf der Panorama den Fachbesuchern eine Modenschau und ein Get-together zu bieten. Sheego gehört außerdem zu den beliebtesten Marken, die auf dem Plus-Size-Webportal ‚Wundercurves‘ frequentiert werden. Die erfolgreiche Online-Plattform wurde 2015 von Christiane Seitz, Größe 42/44, und Tiffany La, Größe 46/48, gegründet. ‚Wundercurves‘ entstand aus dem Wunsche heraus, ein ebenso attraktives wie kompetentes Lifestyle-Webzine für Frauen ab Konfektionsgröße 40 zu machen. Den Impuls dazu gab ein ernüchterndes Shopping-Erlebnis, bei dem Tiffany La und Christiane Seitz keine modischen Styles über Größe 42 fanden. TextilMitteilungen hat die ‚Wundercurves‘-Gründerinnen um ihre Einschätzung des Plus-Size-Modemarkt gebeten. // Text & Interview: Cynthia Blasberg

Was war eure Motivation, Wundercurves zu gründen?
Tiffany La:
2015 hatten wir ein gemeinsames, ernüchterndes Shopping-Erlebnis, bei dem alles über Größe 42 vergriffen war. Wir wurden in die hinterste Ecke des Ladens geschickt, wo lediglich zwei Stangen voll lieblos ausgewählter Artikel standen. Online lief es auch nicht besser. Wir wollten daran etwas ändern, denn Schönheit ist keine Frage der Größe.

Gibt es auch positive Beispiele im Handel?
Christiane Seitz: Definitiv gibt es die. Der Handel ist nach wie vor sehr wichtig, insbesondere bei ordentlicher Beratung für Frauen mit großen Größen. Daraus kann eine lang anhaltende Kundenbindung entstehen. Ein tolles Beispiel ist der Curvy Concept Store ‚Les Soeurs Shop‘ in Berlin. Die beiden Betreiberinnen nehmen sich Zeit für jede einzelne Kundin und finden das zu ihren Proportionen passende Outfit. Auch der Dessous-Markt ragt teilweise positiv heraus. BHs in großen Größen sind oft ein enormes Problem. In Dessous-Fachgeschäften wird man ausgemessen und bekommt die richtige BH-Größe. Oder nehmen wir das angesprochene Problem mit unvorteilhaftem Licht in der Umkleide: Bei Lascada kann man in einigen Läden das Licht den eigenen Bedürfnissen entsprechend anpassen. Das wünschen wir uns öfter.

Wie beurteilt ihr die Entwicklung des Modemarktes für Plus-Size in den letzten fünf bis zehn Jahren?
Christiane Seitz: Den großen Größen wird erkennbar mehr Beachtung geschenkt. Dass zum Beispiel eine global Player wie Nike eine eigene Plus-Size-Sportlinie herausbringt, war vor zehn Jahren noch undenkbar. Die Linie hatte übrigens bahnbrechenden Erfolg – über Asos haben wir erfahren, dass innerhalb weniger Tage die Bestände fast aufgekauft waren. Hinzukommt, dass Plus-Size Models - dank Facebook und Instagram - mehr Aufmerksamkeit bekommen. Mittlerweile zeichnet sich ein Trend ab, Motto: Fühl Dich wohl, egal welche Größe du trägst.

Ergänzt bitte den Satz: In einer idealen Welt …
Christiane Seitz:
… gibt es große einladende Läden mit viel Auswahl, aber ohne Wühltisch-Feeling, keine Trennung zwischen Normalgrößen und Plus-Size, sondern ein ausgewogenes Verhältnis der Größen, große Umkleidekabinen mit verschiedenen Spiegelperspektiven, dimmbares Licht, Beraterinnen, die sich mit unterschiedlichen Figurtypen auskennen und in den Modezeitschriften Models jeden Alters und jeder Größe, mit denen sich die kurvigen Frauen identifizieren können.

Foto: Wundercurves - Tiffany La (links) und Christiane Seitz 

 

15.11.2017